Was ist denn da?
Die Realität, sie holt mich doch immer wieder ein, ohne sich anzukündigen. Aber was ist da eigentlich? Im Grunde ist es ein Gefühl, es beschleicht mich und lässt mir dann kaum noch Freiraum. Oft denke ich, wenn es so richtig gut läuft, kommt der nächste Schlag ins Gesicht. Hört sich sehr pessimistisch an, aber genauso empfinde ich zum größten Teil mein Leben.
Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, worüber auch? Ich studiere, es läuft super, ich kann mich langsam in meinen neuen Job einarbeiten und mein Hauptjob ist nicht mehr mein Leben.
Und dann ganz plötzlich, kommt eine Nachricht, ein Anruf oder etwas anderes – ein Unfall beispielsweise. Ja, genau. Vor zwei Wochen hatte ich – mal wieder – einen Autounfall. Mir geht es gut und es ist nichts weiter passiert, allerdings kriegt mein Kopf das nicht so ganz auf die Reihe.
Ich muss dazu sagen, dass ich in der Vergangenheit wohl eher Pech im Straßenverkehr hatte.
Mit 17 Jahren hatte ich einen schweren Rollerunfall, dessen Datum ich sehr lange als meinen „zweiten Geburtstag“ betitelte. Mit dem Autoführerschein kam auch das erste eigene Auto. Eine ganze Weile lief alles super, bis der heftige Knall auf einer großen Kreuzung kam. Kurz darauf folgte ein Unfall im Kreisverkehr – der „by the way“ am gleichen Datum stattfand, wie besagter Zweiradunfall.
Nach ein paar Pannen mit anderen Autos kam ein Neuwagen ins Spiel – ich fuhr dieses schöne Auto ein Jahr lang, bis mir jemand im Kreisverkehr die Vorfahrt nahm – Totalschaden und ich war vier Wochen außer Gefecht gesetzt. Nun, vor ein paar Wochen das jüngste Ereignis. Wieder wurde mir die Vorfahrt genommen, am Auto ist nicht viel kaputt und mir geht es auch gut, wie gesagt. Aber durch meine – ich nenne es mal – Unfallvergangenheit verarbeitet mein Kopf solche Dinge immer schwerer.
Da fragt man sich doch nur noch, ob man ein Magnet ist, der sowas förmlich anzieht. In diesen Gedanken verliere ich mich sehr oft, was mich wieder runterzieht und mich weiter in eine Abwärtsspirale treibt. Negative Gedanken kommen nie allein. Von einem zum Nächsten und zum Übernächsten.
Zu allem Überfluss bekam ich dann auch noch eine Nachricht, die mir nicht sonderlich gut gefiel und worüber ich mir sehr arge Gedanken mache. Ich sprach bereits von meiner Trennung und ja, die Scheidung steht bald auch ins Haus. Auch wenn ich den entscheidenden Schritt gemacht habe, ist es dennoch ein komisches Gefühl. Klingt das komisch? Vielleicht. Allerdings weiß ich auch, dass die Scheidung mich noch näher an mich selbst bringt. Ich bin dann wieder nur „ich“, frei und unabhängig. Auch wenn ich das bereits bin, ist da noch irgendwo ein unsichtbares Band, das mich festhält.
