Meine Gedanken und ich: wie Feuer und Wasser

Zu dem Zeitpunkt, als meine Therapie startete, verletzte ich mich leider massiv am Knie, sodass ich zu allem Übel über sieben Monate daheim und krankgeschrieben war.

Die Worte meines Therapeuten waren: „Ihr Körper nimmt sich das, was er braucht!“. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, was er meinte.

Im Grunde weiß ich, dass es gut war, zu dem Zeitpunkt nicht arbeiten zu müssen. Ich war vollends mit mir und meiner Psyche beschäftigt und hatte kaum Kapazitäten, um mich um andere Dinge kümmern zu können.

Im wöchentlichen Rhythmus besuchte ich den Psychotherapeuten meines Vertrauens und erzählte viel. Wir konnten schnell Rückschlüsse zu bestimmten Situationen finden, aber eins sei gesagt:

Die eigentliche Therapie fängt zu Hause an – im Kopf. In Form von Gedanken.

Sie können frei und schön sein, aber auch schwer, belastend und in sich gefangen. Natürlich ließ ich überwiegend schöne Gedanken zu, klar, alles andere könnte ja weh tun. Allerdings kam der berühmte Hammer dann kurz darauf. Immer wenn schöne Gedanken in meinem Kopf schwirrten, verwandelte mein Dämon sie in schlechte. Vom positiven zum traurigen resultierte ein Teufelskreis. Und wie gesagt, ich hatte Zeit zum Nachdenken. Viel Zeit, um sich viel zu viele Gedanken zu machen oder in dem Teufelskreis gefangen auf dem Sofa zu liegen. Die Grübeleien hörten natürlich nachts nicht auf. Sie kennen kein „so, ich geh‘ dann mal schlafen“ – gerade dann, wenn wir nichts anderes mehr vorhaben, kommen sie hervor und zeigen oft ihr böses Gesicht, was uns mehr und mehr am Einschlafen hindert.

Ich sprach viel mit meinen Eltern, meinem großen Bruder und meinen engsten Vertrauten. Von anderen Menschen wurde mir oft der heiße Tipp gegeben: „Denk‘ doch einfach an die schönen Momente.“, oder „Er würde nicht wollen, dass du weinst.“ Ja, meine Lieben, das ist so leicht gesagt, wenn man nicht selbst darin gefangen ist.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt täglich mehrmals Flashbacks, Panikattacken, Angstzustände und meine Gedanken spielten mit mir. Was soll ich sagen, klar, lieb gemeinte Tipps sind immer gut, aber vielleicht hätte es mir mehr gebracht, auch einfach mal zu schweigen. Oft wollte ich gar nicht darüber reden und tat es dennoch, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste mich für mein Verhalten rechtfertigen. Und das kurbelte mein Gedankenkarussell noch weiter an.

„Was denken die anderen über mich?“

„Eigentlich möchte ich nicht, aber bevor schlecht geredet wird, mache ich es dennoch.“

Ich könnte die Aufzählung noch weiter ausführen, das würde an der Botschaft aber nichts ändern: Sei du selbst, egal was passiert! Und wenn du merkst, dass du in deinen Gedanken gefangen bist, nimm‘ dir Zeit und Raum dafür!

Aber sei dir bitte auch immer bewusst: Gedanken sind eben „nur“ Gedanken.