Die Angst vor Veränderung
Dass ich plötzlich wieder meine Lieblingsmusik hörte und überwiegend schwarze Kleidung trug, fiel mir im ersten Moment nicht auf. Ich kann dir nicht sagen, wann ich das bemerkte, aber irgendwann kam dieser Augenblick, in dem ich genau das fühlte: „Wow, meine Lieblingsmusik habe ich aber lange nicht gehört“ oder beim Blick in den besonders „dunklen“ Kleiderschrank wurde mir auf einmal bewusst, dass etwas anders war. Ich erfreute mich an diesem Zustand des „Ankommens.“
Dass es meist anders kommt, als man denkt, wurde mir erst später klar.
Im Laufe der nächsten Jahre erkannte ich, dass ich ein Leben lebe, in dem ich nicht ich sein kann. Diese Erkenntnis brach explosionsartig auf mich ein. Die Gedanken, die darum kreisten, waren „Ich bin verheiratet“, „Ich habe Zukunftspläne“, „Kann ich …? Sollte ich …?“
Da wären wir beim Thema Angst. Ich habe seit ich denken kann Verlustängste, die mich bis an den Rand der Verzweiflung bringen. In dem Moment, in dem ich denke, ich könnte jemanden verlieren, sei es durch Tod, Streit oder sonst irgendwas – brennen die Alarmleuchten knallrot. Diese Stimmung stresst und macht nicht nur mich fertig, sondern auch mein Umfeld. Gerade, die Person/en, um die ich mir „Sorgen“ mache, kriegen das zu spüren. Für mich gibt es dann zwei Möglichkeiten, die ich machen kann, damit der Mensch „bleibt“:
- Klammern – also schreiben, anrufen, einfach auf dem Radar bleiben, damit der Verlust gar nicht eintreten kann. Dass dieses Verhalten, viele Menschen in die Enge treibt und diese gerade dann den Rückwärtsgang einlegen, ist mir in dieser Situation nicht bewusst.
- Mich rarmachen – ich verzichte auf das Nachrichtenschreiben, auf Anrufe und versuche dem Menschen so wenig wie möglich – ich nenne es mal – auf die Nerven zu gehen.
Du siehst, ich bin absolut kein Ass darin, mit Verlust oder mit drohendem Verlust umzugehen. Aber ich gebe immer mein Bestes.
„Angst beginnt im Kopf. Mut auch.“ – Vanilla Mind
Dieses Zitat sagt so viel aus. Wenn ich daran denke, was ich in den letzten Jahren riskiert habe und damit gut umgehen kann, bin ich sehr stolz auf mich.
Im Jahr 2020 folgte der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung mit meinem Mann. Ich sah eine Chance für uns. Es ist ja nichts Neues, dass man sich durch Entfernung auch wieder annähern kann. Leider was das genau das Falsche, denn im Sommer des gleichen Jahres folgte die Trennung.
Meine Gefühle als ich mich trennte? Ich war verletzt, traurig, zutiefst enttäuscht, habe an mir gezweifelt und überlegte immer, was ich falsch gemacht habe.
Ich bin ehrlich, natürlich habe ich auch Fehler gemacht, das streite ich nicht ab und habe das auch nie getan, allerdings gehören immer zwei dazu, gerade in einer Beziehung.
Du siehst, trotz meiner Verlustangst, habe ich den Mut bewiesen, mich zu trennen und mir das Leben zu nehmen, was ich leben möchte!
Worin warst oder bist du richtig mutig? Schreib‘ mir gerne deine Erfahrungen.
Und wenn du dich bisher nicht getraut hast, genau das zu tun, was dir guttut: Jetzt ist der beste Zeitpunkt!
