Die Reise ins Ungewisse

Nach meinem Bezug der eigenen Wohnung sprach mein Therapeut mich auf eine Rehamaßnahme an, die am besten über einen längeren Zeitraum gehen sollte – sechs Wochen, sagte er, wären eine gute Idee.

Ich hatte bereits vorher über eine solche Maßnahme nachgedacht, mich aber immer gesträubt es selbst anzusprechen.

Du fragst dich sicherlich, wieso?

Weißt du, ich bin ein Mensch, der auch gerne mal allein ist, ganz bei sich, in Jogginghose auf dem Sofa sitzend und Schokolade essend. Aber wenn ich allein sein muss, gestaltet sich das Gefühl schon wesentlich anders. Es entsteht der Verdacht, des nicht gewollt seins. Rational gesehen vollkommener Blödsinn, aber emotional das reinste Chaos.

Außerdem ist klar, was in einer psychosomatischen Reha passiert – Das Aufarbeiten von schwerwiegenden Erlebnissen und das Verstehen des Traumas. Dem möchte sich niemand direkt aussetzen, dementsprechend wartete ich ab und hoffte, „dass es von sich aus besser wird“.

Falsch gedacht, denn wie gesagt, sprach mich mein Psychotherapeut darauf an. Für die weiteren Dokumente, wie Arztbriefe von Hausärztin, Zahnarzt, Psychiaterin und Neurologin, schrieb er einen Brief, mit der Bitte um Stellungnahme. All diese Papiere wurden gesammelt und an die Deutsche Rentenversicherung geschickt. Durch einen Eilantrag meiner Ärzte kam bereits drei Monate später die Antwort:

Auf Ihren Antrag vom 23.08.2021 bewilligen wir Ihnen eine stationäre Leistung zur medizinischen Rehabilitation.

Die Leistung dauert 5 Wochen und wird in folgender Rehabilitationseinrichtung durchgeführt: …“

Im ersten Moment: pure Freude.

Danach: Gefühlsexplosion par excellence.

Sofort rief ich meine Eltern an, die sich sehr für mich freuten, da sie wussten, dass es eine Chance für mich ist, ein Leben zu führen, das nicht von ständigen depressiven Phasen geprägt ist.

Also stand ich da, in meiner Küche, mit dem Brief in der Hand und wusste nichts mit mir anzufangen.

Wie geht es jetzt weiter?

Schaffe ich das?

Ich werde allein sein!

Ich hoffe, ich lerne nette Menschen kennen.

Es wird mir auf Dauer sicherlich helfen!

All diese Gedanken schossen mir in Lichtgeschwindigkeit durch den Kopf, immer und immer wieder. Immer und immer wieder neue Gedanken, Gefühle, Ängste und Hoffnungen.

Ich hatte also noch ungefähr zwei Monate Zeit, bis es losging, bis meine „Reise ins Ungewisse“ startete.