Die Zeit danach: da wartet wohl mein Leben auf mich

Die Tage in der Reha gingen vorbei – meine Gedanken blieben. Aber eins kann ich sagen: Es war genau die richtige Entscheidung. Diese sieben Wochen in einer fremden Stadt, umgeben von Menschen, die mir fremd waren und von Ärzten, die mich ganz neutral betrachteten, waren für mich ein absoluter Mehrwert. Was ich mitgenommen habe? Die Gewissheit, dass es okay ist, wenn es mal nicht okay ist.

Nach Weihnachten kam ich wieder zu Hause an, meine Eltern holten mich ab. Ich war unendlich froh, die beiden wieder in die Arme schließen zu können. Nach ungefähr dreistündiger Autofahrt konnte ich die Türen meiner Wohnung öffnen. Da ich auch meinen besten Freund in der Zeit sehr vermisste, fuhr ich direkt zu ihm, wir hatten uns viel zu erzählen. An Silvester ging es für uns beide an die Nordsee – wir wollten das Jahr ausklingen lassen, den Stress beiseitelegen und mit neuer Kraft ins nächste Jahr starten. Das gelang uns auch und können noch heute über diesen wunderbar verrückten Ausflug lachen.

Ein paar Tage hatte ich noch „Ruhe“ von der Arbeit und konnte mich wieder halbwegs akklimatisieren. Ich schrieb meinem heimischen Therapeuten, dass ich die Therapie wieder alle zwei, statt alle vier Wochen machen möchte, meldete mich für die Reha-Nachfolgebehandlung an und war somit auch für ein halbes Jahr in einer Gruppentherapie.

Die Arbeit lief natürlich wie gewohnt weiter. Corona war noch in vollem Gange, schlich sich aber nach und nach aus. Im April desselben Jahres nahm ich die Uni wieder in Angriff und begann den Kurs zum Texter, den ich mit Erfolg abschließen konnte. So kann ich mit vollem Stolz sagen, dass ich genau weiß, das Richtige zu tun und bald in dem Beruf zu arbeiten, den ich bis zur Rente machen möchte.