Autor: Carina
Die Ankunft war stressig, weil ich nicht so ganz wusste, wo ich hinmusste. Aber wir haben es dann doch noch rechtzeitig geschafft. Aufgrund der herrschenden Corona-Regelungen durften meine Eltern nicht mit auf mein Zimmer, sie verabschiedeten mich also auf dem Parkplatz vor der Klinik und schauten mir so lange hinterher, bis ich nicht mehr zu sehen war. Ich durfte direkt auf mein Zimmer – dort angekommen atmete ich tief durch und war mir noch gar nicht bewusst, was die nächsten Wochen auf mich zukommen wird.
Nach meinem Bezug der eigenen Wohnung sprach mein Therapeut mich auf eine Rehamaßnahme an, die am besten über einen längeren Zeitraum gehen sollte – sechs Wochen, sagte er, wären ein gute Idee.
Ich hatte bereits vorher über eine solche Maßnahme nachgedacht, mich aber immer gesträubt es selbst anzusprechen.
Dass ich plötzlich wieder meine Lieblingsmusik hörte und überwiegend schwarze Kleidung trug, fiel mir im ersten Moment nicht auf. Ich kann dir nicht sagen, wann ich das bemerkte, aber irgendwann kam dieser Augenblick, in dem ich genau das fühlte: „Wow, meine Lieblingsmusik habe ich aber lange nicht gehört“ oder der Blick in den besonders „dunklen“ Kleiderschrank wurde mir auf einmal bewusst. Ich erfreute mich an diesem Zustand des „Ankommens.“
Zu dem Zeitpunkt, als meine Therapie startete verletzte ich mich leider massiv am Knie, sodass ich zu allem Übel über sieben Monate daheim und krankgeschrieben war.
Die Worte meines Therapeuten waren: „Ihr Körper nimmt sich das, was er braucht!“. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, was er meinte.
Während ich merkte, dass meine Lieben um mich herum so langsam wieder Licht sahen, begann bei mir die große Dunkelheit. Ich nenne mich gerne „Meister der Verdrängung“ und meine das auch so. Arbeit und Studium, sowie häufiges „Ausgehen“ und Dinge tun, nur um nicht allein sein zu müssen ist eine Art der Verdrängung, die für mich persönlich nur selten gut ausgeht.
