Autor: Carina
Mit der Abgabe meiner Hausarbeit für den laufenden Kurs, welche ich Mitte Januar abgeben musste, war ich erst einmal damit beschäftigt, mich mit dem Uni-Stress auseinanderzusetzen. Das Gute am Januar ist, dass es auf der Arbeit dann eher ruhiger vonstattengeht. Das Weihnachtsgeschäft ist um, die Leute wollen wieder sparen und sich ein wenig von den Feiertagen erholen. Zumindest ist das so meine Theorie, nach all den Jahren im Einzelhandel.
Vor ein paar Jahren ging ich mit meiner besten Freundin durch einen Laden, in dem Sprüche-Karten verkauft wurden. Diese Ständer ziehen mich magisch an, also blieb ich stehen und suchte mir ein paar passende Sprüche heraus. Entweder für mich oder zum Verschenken. Als ich da so stand, strecke meine Freundin mir plötzlich eine Karte mit den Worten „Ändere nicht dein Leben, lebe dein Ändern“ entgegen. Erst wusste ich nicht so recht, was sie mir damit sagen möchte, aber später begriff ich, dass sich viele meiner Gedanken darum drehen „was andere wohl von mir denken“ – wenn ich im Nachhinein so darüber nachdenke, stellen sich mir die Nackenhaare auf.
Das leidliche Thema „Corona“ traf im letzten Jahr auch mich. Nach dreifacher Impfung ist man dennoch nicht geschützt davor, es doch zu kriegen. Irgendwie dachte ich immer, dass ich es nicht kriege, aber da lag ich falsch.
Nach dem Stadtfest bekam ich plötzlich Halsschmerzen und ich merkte, dass ich etwas ausbrütete. Der Schnelltest bestätigte den Verdacht: Covid-19 hatte mich erreicht.
Die Tage in der Reha gingen vorbei – meine Gedanken blieben. Aber eins kann ich sagen: Es war genau die richtige Entscheidung. Diese sieben Wochen in einer fremden Stadt, umgeben von Menschen, die mir fremd waren und von Ärzten, die mich ganz neutral betrachteten, waren für mich ein absoluter Mehrwert. Was ich mitgenommen habe? Die Gewissheit, dass es okay ist, wenn es nicht okay ist.
In der Gruppentherapie mit meiner Bezugstherapeutin kamen wir eines Tages auf die Thematik „Sonnenkind und Schattenkind“. Was das ist? Das erkläre ich dir gerne.
Stefanie Stahl, Psychotherapeutin und Autorin des Buches „Das Kind in dir muss Heimat finden“, sagt, dass unser inneres Kind in zwei „Wesen“ aufgeteilt ist. Unser Schattenkind, das verletzte innere Kind und das Sonnenkind, das fröhliche innere Kind. Diese beiden stehen dem inneren Erwachsenen gegenüber.
Als ich ein halbes Jahr nach dem Tod meines kleinen Bruders für ein paar Tage ans Meer fuhr, kam mir die Idee mein Erlebtes niederzuschreiben. Meine Augen waren tränendurchflutet und meine Finger tippten weiter. Am Ende kam ein sehr persönlicher, ehrlicher und zutiefst trauriger Text dabei herum. Diesen Text haben bis heute lediglich meine beste Freundin und meine Therapeutin in der Reha gelesen.
Der Tod meines Opas schien für mich nach langer Zeit „okay“ zu sein. Je mehr ich darüber nachdachte, desto weniger „okay“ war es plötzlich. Ich erinnerte mich an Sachen, die wir erlebt hatten und an die Zeit, in der er den Kampf gegen den Krebs, nach einer schweren Operation, doch verloren hat. Mein Opa war der erste Mensch, den ich verlor – ich war noch zu jung, um zu verstehen, was das eigentlich bedeutete.
